Sonntag, 29. April 2012 0 Kommentare

Heute habe ich meine Uhr weggeworfen. Sie roch.

Gehirnkrakenarme wuchten entzündete Augenlider
Lichtverhältnisse ändern sich
wo Tage nicht mehr sind
als Pflichtveranstaltungen
Instinktgulasch
im Land in dem Geister sich am Zukunftskadaver weiden

Erinnerungsmärchenland
ich vergrabe mich tief in deiner Erde
und blättere im Licht des Scheins
im Illusionentagebuch
Feige, ja, und wenn schon
sollen sie mich doch aus der verzweiflung schälen

Unter Mitleidsfolter röchle ich
mit wüsten Augen
dass ich auch einfach nur wieder leben will
als gäbe es das
als hinge das alles noch
am Bedeutungsaufladegerät

Und irgendwo im hintersten Winkel
der kollektiven Realitätengalerie
knarzt unbemerkt eine Tür
hoffe ich

immerhin

A.R. 17.04.2012
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Mitternächtlicher Besucher

Ich sitze im stickigen Raum
seit Stunden trinkend
und starre vollmondgroße Löcher
in das Zeitgefüge

Es klopft, einmal, endgültig
Ich überwinde mich
zur Tür

"Wer ist da?"
"Der Tod"
"Aha"

Ich biete ihm einen Stuhl an
Er sieht müde aus

Mein Rachen lässt einen
tiefen Schluck
im Äther verschwinden

"Was willst du hier
Es gibt hier nichts mehr zu tun
für dich
Mir scheint
das Leben stiehlt dir
die Klienten"

A.R. 16.03.2012
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Splitterfaserselbst

Jetzt stehe ich auf den Klippen
abgeschliffener Angstzustände
und schlage Golfbälle
ins brutale Nichts

Spring
aber
Spring
ja aber

Augen zerplatzen
unter mikrowellenartigem
Gedankenschädeldruck
in Irrsinnslachen
als hätte man vorher
etwas gesehen

Ihr sagt
nackte Haut
als gäbe es nichts
darunter

Spring
nein
falle
ich lasse mich
fallen
fang mich
doch

Lass mich
aufschlagen auf dir
und ich werde scherben

Mosaik

A.R. 23.02.2012
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Trümmer

Der verbrannte Dachstuhl
gedächtnisschwer
auf dem rußgeschwärzten rohen Rumpf
du trugst mich
fort
von wo zuhause war

jetzt
setze ich Glasscherben
in den Gehirnbauksasten
hoffend

roter oder blauer draht?

Ich blute mir dich
aus dem ohr
auf die unschuldsweißen
Kunstfedern

Ein letztes Mal
öffne ich mich (dir)

greif hinein
kratze vergessenstiefe Schluchten
ins Narbengwebe
und reiße alles an dich
was noch an dir
hängt

Blutegelwunschfantasien

Und das Dach
und der Boden
münden im Loch
dass ich allein
nicht fülle

Setz dich zu mir hin
in Staub
und Hautpartikelreste
und ich erzähle dir

w
 e
  r

A.R. 12.03.2012
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E-Mail mit unbekanntem Empfänger

Kreisförmige Annäherung
Ein Drahtseilblick
Elektromagnetismus schwingender Gitarrensaiten

Wortverzögerungstaktiken
zwischendurch blitzende Eingeständnisse
an den eigenen Willen

Im Taumel des Unbekannten
Tanzend auf dem Eis
der eigenen Unzulänglichkeiten
im Nacken den Stachel
der Gesellschaftsfähigkeit

Zurechtgelegte Worte
verpuffen
zwischen den ihnen widersprechenden Körpern
und so bleibt nur die Flucht
ins Alleine

A.R. 13.02.2012
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Als ich im Dschungel über die Liebe nachdachte

Wir sitzen als Schattierungen in einem pflanzenüberwucherten Raum
lassen den Rauch für uns
in die Löwengrube hinabsteigen
und holen ihn wieder daraus hervor
bevor es zum Kampf kommt

Zahnräder drehen knirschend
müde
und wir ölen sie unaufhörlich
aus Angst sie könnten aufhören

"Der Mensch hält sich an das, was er kennt"
haucht eine Schattierung
die anderen schweigen
verlieren sich im Tanz des blaugrauen Zwielichts
mit nach innen starrenden Pupillen
krampfhaft versuchend sie wieder
nach außen zu drehen

Alles Gesagte
Gedachte
Gewünschte
Geschworene
stirbt in den Mägen
des Augenblicks

und wir kauen weiter
auf der Säure herum

bis wir brechen

A.R. 07.02.2012
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Endstation


Fensterbrechen in sichtbarem Kälteatem
während der Blutkreislauf brodelnd aufstößt
Impuslpumpen surren
zum Wachstum der Bäume die aus Kippenstummeln hervorkriechen
Musik
Aber das Bild hängt schiefstmöglich an der krummen Wand
aus Protest gegen das Unvermeidbare
Zeit nämlich
Man kratzt am Schorf im Fieberwahn
suchend im Aderstollen nach Steinen
die schon geworfen wurden
bevor sie die Handfläche verlassen haben
und ihr U-Bahn-Netz-Geflecht
Stehend auf den Gleisen erwarten wir den Morgen
schulterzuckend
Als wäre er gestern schon gewesen

A.R. 02.02.2012
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Hoffnungsschimmel

Die Grenzen sind verschoben
jedes Maß ist zur Unkenntlichkeit gedehnt
und ich möchte die vor Dummheit Triefenden
an Wände schlagen
dass sie trocknen und der Ungedankensud
im Rinnstein abläuft

Hätte ich noch ein Leben
ich würde es wegwerfen
in der Hoffnung man gäbe mir noch eins


A.R. 02.02.2012
 
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